Dezember 2016 - Laubsägearbeit

 

Die im Jahr 1930 gegründete Firma Graupner stellte unter dem Handelsnamen Graubele diese kleinen Laubsägearbeiten her. Neben vielfältigen Vorlagen wie Tiere, Pflanzen, Fahrzeuge und Figuren, gab es in dem Sortiment auch die weihnachtlichen Modelle. Das vorgedruckte Motiv befindet sich auf einer glatten Sperrholzplatte. Mithilfe einer Laubsäge wurde es ausgesägt und konnte anschließend bemalt oder mit Transparentpapier beklebt werden. Eine Freizeitbeschäftigung, mit der sich Kinder und Jugendliche vor vielen Jahren gerne beschäftigten. Schon im Jahr 1870 wird das Arbeiten mit der Laubsäge als vorzügliches Bildungsmittel für die Jugend empfohlen. Ihren Namen verdankt die Laubsäge übrigens italienischen Möbelschreinern. Diese verzierten im Mittelalter Möbelstücke mit kleinen Ornamenten in Form von Blättern, was zu dem Namen Laubsäge führte.

November 2016 - historische Schulbank

Das Exponat des Monats November, wird bei manch älterem Betrachter, Erinnerungen an die Kinderzeit hervorrufen. Es handelt sich um eine alte zweisitzige Schulbank, wie sie vor vielen Jahren in Klassenzimmern üblich war. Es ist nur ein Modell von vielen denn um das Jahr 1900 gab es 200 verschiedene Banktypen. Erst nach 1945 wurden diese Bänke durch moderne Tisch-Stuhl Kombinationen abgelöst. Dieses Exponat gab Anlass, sich einmal die Herscheider Schulgeschichte anzuschauen und brachte Interessantes zum Vorschein denn bei vielen Ereignissen findet sich in der Jahresangabe die Zahl sechs wieder. So belegt eine Urkunde aus dem Herscheider Kirchenarchiv, dass schon im Jahr 1546 (vor 470 Jahren) eine Lehrerstelle in Herscheid eingerichtet wurde. Im Jahr 1736 (vor 280 Jahren) erließ Friedrich der Große ein Gesetz durch das Schulgründungen erleichtert wurden. Die Gemeinden, und damit auch Herscheid, wurden verpflichtet Schulgebäude zu errichten. Im Jahr 1836 (vor 180 Jahren) entstand in Herscheid der Neubau einer einklassigen Dorfschule, die im Jahr 1862 dem großen Dorfbrand zum Opfer fiel. Im Jahr 1966 (vor 50 Jahren) wurden die Schüler der einklassigen Schulen in Schwarze Ahe, Schönebecke und Rärin nach Herscheid, in die neuerbaute Schule am Rahlenberg umgeschult. Im gleichen Jahr zog die Hüinghauser Schule in ein neues Gebäude.Die historische Schulbank, die zu diesem kleinen geschichtlichen Überblick anregte, befindet sich im Spieker im sogenannten Schulzimmer. Dort erinnern noch weitere Ausstellungsstücke,  an vergangene Schulzeiten.

Oktober 2016 - Katalytofen

Der Katalytofen ist eine flammenlose Benzinheizung die für kleinere Zimmer, Gewächshäuser oder als Standheizung in Autos benutzt wurde. Sie stammt ungefähr aus den 1960er Jahren und wurde von der Firma Oscar Epperlein in Magdeburg, einer der ältesten Spezialfabriken für katalytische Benzinöfen hergestellt. Die Firma wirbt in ihrem Prospekt für die Benutzung als Standheizung mit den Aussagen:  - Wärme für den Motor, leichter Start, Wärme während der Fahrt.  - Ohne Flamme, ohne Rauch, ohne Verbrennungsrückstände. Für den Betrieb dieser Katalytöfen, die es in verschiedenen Größen gab, durfte nur Leichtbenzin benutzt werden. Interessant an diesem Gerät ist der Warnhinweis des Herstellers. Ein großer Aufkleber auf dem zu lesen ist: Gebrauchsanweisung beachten, sonst gibt es Ärger!

September 2016 - Eingemachtes aus dem Jahr 1943

Eingekocht wurden diese Früchte im Jahr 1943 von Frau Aletta Höll (1880-1958) in Schalksmühle-Linscheid. Vor einiger Zeit wurden diese Exponate dem Heimatverein überlassen und stehen seitdem in der Vorratskammer des Herscheider Heimathauses und wurden schon von manchen Besuchern bestaunt. Auf den Etiketten findet man den Hinweis, dass die Früchte eingeweckt wurden. Dieser Begriff ist entstanden, weil die Einkochgläser von der Firma Weck hergestellt wurden. Interessant hierbei ist, dass Johann Carl Weck, der von 1891 bis 1914 lebte nicht der Erfinder dieser Gläser war, sondern der Chemiker Rudolf Rempel. Da Weck Vegetarier und Antialkoholiker war, fand er die Möglichkeit Früchte, ohne Alkohol haltbar zu machen, sehr interessant. Daher erwarb er im Jahr 1895 das Patent und ließ seinen Namen als Warenzeichen eintragen. Die Firma Weck existiert heute noch und bietet weiterhin viele Produkte zum Thema Einkochen an. Der Inhalt dieser Gläser, lässt sich nicht mehr exakt feststellen da sich nach 73 Jahren Lagerung die Farbe teilweise verändert hat. Rhabarber, Stachelbeeren und Kirschen lassen sich noch erkennen, der Inhalt anderer Gläser dagegen, nur erahnen. 

31. Juli

Heute wurde im Spieker ein historischer Film über die Herscheider Schulgeschichte aus den Jahren 1964 bis 1969 gezeigt. Bilder der alten Schule die damals mitten im Dorf stand und Aufnahmen von der Einweihungsfeier neuen Schule am Rahlenberg zeigten auf eindrucksvolle Weise wie sich die Schule und die Gemeinde Herscheid entwickelt hat. Der Besucherandrang war an diesem Vormittag so groß, dass sich eine Warteschlange durch das Gebäude zog.

   

August 2016 - Dosenverschlussmaschine

Mit dieser Maschine wurden früher Konservendosen auf einfache Art mit einem Deckel verschlossen. Dazu wurde die Dose nach dem Befüllen in die Maschine gespannt, der Deckel aufgelegt und durch das Drehen des Rades der Rand gebördelt. Auf diese Weise konnte man sich mit den Erzeugnissen aus eigenem Garten oder eigener Schlachtung einen Lebensmittelvorrat anlegen. Da es heute nur noch wenige Selbstversorger gibt und das Einkochen beliebter ist, werden diese manuellen Dosenverschlussmaschinen im Haushalt kam noch benötigt. In Metzgereien und bei Landwirten mit eigener Schlachtung findet man dieses, mittlerweile überwiegend elektrisch betriebene, Haushaltsgerät. 

Juli 2016 - Ritterburg

Vor einiger Zeit stellte der Herscheider Friedhelm Weyland dem Geschichts- und Heimatverein eine Ritterburg aus Holz zur Verfügung. Ein mit Liebe zum Detail hergestelltes Spielzeug das mittlerweile 75 bis 80 Jahre alt ist und damals in einem Plettenberger Geschäft gekauft wurde. Das man früher auch praktisch gedacht hat, zeigt die Tatsache, dass man alle Teile der Ritterburg abnehmen und in dem Korpus  verstauen kann. So lässt sich alles platzsparend unterbringen und leichter transportieren. Ursprünglich gehörten zu diesem beliebten Kinderspielzeug passende Figuren die aus Lehm und einem Drahtkern hergestellt waren. Diese wurden aber bei einem Hochwasser so stark beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden konnten. Doch auch ohne Figuren spiegelt diese Burg ein Stück Geschichte wieder und schon mancher Besucher des Spiekers erinnerte sich beim Anblick dieser Ritterburg an seine eigene Kindheit.

Juni 2016 - Chapeau Claque

 

Der Zylinderhut war um das Jahr 1820 ein Statussymbol der Bürgerschaft und gleichzeitig Bestandteil einiger Berufstrachten wie die des Kutschers oder Schornsteinfegers. Nach 1830 kam der Chapeau Claque, auch Klappzylinder genannt, auf. Dieser aus Satin und Schellack bestehende Herrenhut wurde mit einer Mechanik versehen mit der man die Röhre einklappen kann. Somit war er nur noch so hoch wie die Krempe und konnte platzsparend in der dafür vorgesehenen Hutschachtel verstaut werden. Ein leichter Schlag auf die Hutkrempe reichte, um den Zylinder wieder zu entfalten. Diese Art Kopfbedeckung wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch zu Hochzeiten, Beerdigungen oder anderen festlichen Anlässen getragen. Auch heute wird dieses modische Accessoire noch getragen, allerdings weniger zu Feierlichkeiten, sondern manchmal nur zum Spaß wie bei der Petersilienhochzeit. Auch für den Zauberer und beim Dressurreiten ist der Zylinder oder der Chapeau Claque Bestandteil der Kleidung.

Mai 2016 - Pfingstbesen

Viele alte Bräuche sind mit dem Pfingstfest verbunden. Ein Brauchtum zu Pfingsten war es, das Haus oder den Stall mit einem Pfingstbesen zu reinigen oder zu weißen. Auch zur Dekoration wurden die Pfingstbesen am Haus oder Stall platziert. Um einen Pfingstbesen herzustellen, benutzte man die rutenförmigen Zweige des Besenginsters, der um die Pfingstzeit blüht. Ein Aberglaube sagte aus, dass ein solcher Besen nicht nur Ungeziefer, sondern auch Hexen und Zauberer verjagt. Doch nicht nur der Besen aus Ginster gehörte in unserer Region zu den Traditionen. Auch der weiße Besen, hergestellt aus den Zweigen der Birke, wurde mit dem Pfingstbrauchtum verbunden. Schon im Jahr 1859 schrieb Adalbert Kuhn in dem Buch: Sagen Gebräuche und Märchen aus Westfalen folgendes aus dem Raum Lüdenscheid: Am ersten Pfingsttage werden im Lüdenscheiderschen  den Kühen weiße Besen mit weißem Stiel ans Horn gebunden, manchmal zwei, ein großer und ein kleiner. Mit diesen Besen wird in einzelnen Ortschaften (z. B. in Schürfeld) durchs Haus gekehrt, worauf man sie vor oder über oder neben der Kuhstalltür aufhängt. 

April 2016 - Confirmations Attest aus dem Jahr 1868

Dieses Schmuckblatt enthält den folgenden Text: Theodor Kaufmann aus Marlin gebürtig und 14 ½ Jahre alt wurde nach empfangenen Unterricht in den ewig selig machenden Wahrheiten des Evangeliums Jesu Christi den 13. April 1868 in der evangelischen Kirche zu Herscheid confirmiert und eingesegnet. Dieses wird demselben hiermit bezeugt, unter erneuerter Anwünschung des göttlichen Segens und mit ernstlicher Hinweisung 1.Timoth. 6 V.12. Herscheid den 14. April 1868. Das Blatt ist mit Ornamenten verziert, zeigt ein Bild der Abendmahlszene und weist auf verschiedene Bibelverse hin. Solche Konfirmationsgedenkblätter dienten den Konfirmanden zur Erinnerung und wurden häufig gerahmt in der elterlichen Wohnung aufgehängt. Theodor  Kaufmann, wurde als achtes Kind des Peter Diedrich Kaufmann und der Catharina Elisabeth Schmidt am 23. August 1853 in Marlin geboren. An dem Festgottesdienst anlässlich seiner Konfirmation nahm er mit weiteren 55 Herscheider Jugendlichen teil. Das sein Confirmations - Attest 148 Jahre später im Herscheider Spieker aufbewahrt wird, hätte er sich damals wohl kaum vorstellen können.

 

März 2016 - Große Puddingform

Früher wurden einige Sorten Pudding, wie zum Beispiel Reis, Grieß, Hackfleisch oder Brotpudding im Wasserbad gekocht. Für diese Art von Zubereitung gab es spezielle Puddingformen. Die Handhabung dieser Puddingform wird in einem Kochbuch aus dem Jahr 1918 folgendermaßen erklärt:Die Form wird mit Butter reichlich ausgestrichen, mit Zwieback oder feiner geriebener Semmel ausgestreut; bei mangelhaftem Bestreichen und Bestreuen der Form hängt der Pudding an und zerfällt beim Stürzen. Dann füllt man die Form mit der Masse nur ¾ voll, damit letztere Raum zur Ausdehnung hat, und schließt sie fest mit ihrem Deckel, den man inwendig mit Butter bestrichen hat, damit der steigende Pudding sich nicht anhängt. Die Form wird nun in einen entsprechend großen Topf mit kochendem Wasser gestellt, welches die Form nur knapp zur Hälfte bespülen soll; damit beim Kochen kein Wasser in die Form dringt und damit der Pudding auch von oben gar wird, deckt man den Topf zu, dass der Dampf nicht entweichen kann. Wenn das Wasser trotz langsamen Kochens einkocht, gieße man nur kochendes Wasser nach. Man kann auf den Deckel der Form Plättbolzen legen, damit sie feststeht. Alle Puddinge stürzt man erst ¼ Std. nach dem Herausnehmen aus dem Wasserbad oder Ofen, um das Auseinanderfallen zu verhüten. Ein Gericht, das in solch einer Puddingform zubereitet wurde war unter anderem der Brotpudding. Er diente besonders gut zur Resteverwertung von Lebensmitteln. Altbackenes Brot wurde in Milch eingeweicht und mit Zutaten wie Eier Butter, Mandeln und Rosinen zu einem Pudding vermischt und anschließend im Wasserbad gegart. 

Februar 2016 - Kaffeemühle

Schon im Jahr 1715 befindet sich in einem Lexikon für Frauen eine Beschreibung zur Kaffemühle, die im Originaltext lautet: Ist ein von Holtz verfertigtes Instrument, von oben mit einer Leyer und der darzu gehörigen Schraube, von unten aber mit einem Fach und Schubekästlein (worein der klein gemahlene Caffee fällt) versehen, worinnen die gerösteten und gebrandten Caffee-Bohnen klein gerieben und klar zermalmet werden. Wenn im Laufe der Jahre auch Kaffeemühlen aus Porzellan, Gusseisen und Blech hergestellt wurden, waren die Handmühlen aus Holz die meist Benutzten. Sie waren nicht nur praktisch, sondern auch sehr dekorativ und so lässt sich anhand von Material, Form und Dekoration oft die Epoche, aus der die Handmühle stammt, erkennen. Da das Mahlen der Kaffebohnen mit einem gewissen Kraftaufwand verbunden war, gab es Ausführungen, die man an der Wand oder am Tisch befestigen konnte, um eine bessere Standfestigkeit zu erzielen. Am bekanntesten ist aber wohl die Schoßmühle, die zwischen die Knie geklemmt wurde. Die Kaffeebohnen wurden in den innen liegenden Trichter gefüllt und durch das Drehen an der Kurbel setzte sich das Mahlwerk in Bewegung. Das fertige Kaffeemehl wurde in dem Schubfach aufgefangen. Kaffemühlen waren früher ein wichtiger Bestandteil in der Küche dementsprechend groß war auch die Anzahl der Betriebe, die diese herstellten. Auf der Vorderseite einiger Kaffemühlen befindet sich das Logo des Herstellers, wie zum Beispiel Lehnartz, Dienes oder Leinbrock. Mit Einführung elektrischer Kaffeemühlen wurde die Produktion überwiegend eingestellt. Mittlerweile erleben die manuellen Kaffeemühlen aus Holz ein Comeback und werden bei verschiedenen Händlern zum Kauf angeboten.

Januar 2016 - Rechenmaschine Facit CA1-13

Bei dem Exponat des Monats Januar, handelt es sich um eine Rechenmaschine der Firma Facit Düsseldorf, mit der Modelbezeichnung CA1-13. Diese Rechenmaschine wurde zwischen 1956 und 1973 in dem Düsseldorfer Büromaschinenwerk Facit GmbH produziert. Das Ursprungsland dieser Facit Rechenmaschinen ist allerdings nicht Deutschland, sondern Schweden. Dort konstruierte Karl Viktor Rudin um das Jahr 1918 diese Maschinen und der Stockholmer Büromaschinenhersteller Axel Wibel ließ sie in seiner Firma produzieren. Wibel gründete im Jahr 1922 die Facit AB. Aus dieser schwedischen Firma ging im Jahr 1951 dann das Düsseldorfer Büromaschinenwerk hervor. Das diese Bürorechenmaschinen sehr beliebt waren, kann man einem Prospekt aus den 50iger Jahren entnehmen, aus dem hervorgeht, dass die Facit die meistexportierte Rechenmaschine der Welt ist. Mit dem Aufkommen elektronischer Tischrechner brach der Umsatz der Firma Facit ein. Nachdem sie 1973 von Elektrolux übernommen und 1983 von Ericsson aufgekauft wurde, wurde sie 1999 endgültig aufgelöst. Aus heutiger Sicht ist es verständlich, dass diese Rechenmaschinen, mit denen man nur die vier Grundrechenarten berechnen konnte, von der Technik überholt wurden. Vor 60 Jahren war diese Facit Rechenmaschine eine Errungenschaft, die den Büroalltag erleichtern sollte und heute ist sie schon ein Relikt der Vergangenheit.