Dezember 2015 - Weihnachtsgeschirr Kindergottesdienst

Das Exponat des Monats Dezember, befindet sich nicht nur im Spieker, sondern wird auch noch in einigen Herscheider Familien vorhanden sein. Dabei handelt es sich um Geschirr, dass vor vielen Jahren den Kindern, die den Herscheider Kindergottesdienst besuchten, zu Weihnachten von der Kirchengemeinde, geschenkt wurde. Im Spieker befinden sich eine ganze Reihe dieser Erinnerungsstücke. Sie stammen aus verschiedenen Jahren und sind in unterschiedlichen Ausführungen vorhanden.

Der erste Kindergottesdienst, in der Herscheider Kirche, fand am 04. Dezember 1927, im Anschluss an den Hauptgottesdienst statt. Ein Jahr später bekamen die kleinen Besucher des Kindergottesdienstes zum ersten Mal ein Geschenk zur Erinnerung. Es war eine Teetasse mit der Aufschrift. Andenken an den Kindergottesdienst Herscheid, Weihnachten 1928. In den darauffolgenden Jahren erhielten die Kinder weitere Geschenke dieser Art, wobei dem Porzellan aus der Zeit von 1930 bis 1937, besondere Beachtung gebührt. So zeigen die mit Goldrand verzierten Teller, nacheinander vier Herscheider Motive, die heute schon längst Geschichte sind. Bei dem ersten Motiv handelt es sich um eine, damals recht aktuelle, Ansicht der Gemeinde Herscheid. Vom Spielberg aus gesehen, lässt sich erkennen, wie übersichtlich das Dorf vor 85 Jahren war. Der Teller trägt den Schriftzug: Heimatgabe des Kindergottesdienstes 1930. Das zweite Motiv zeigt die Außenansicht der Herscheider Kirche. Damals noch mit einer zusätzlichen kleinen Eingangstür an der Südseite. Bei dem Haus im Hintergrund dürfte es sich um die alte Küsterei handeln. Der Schriftzug auf diesem Teller lautet: Heimatgabe von der Heimatkirche, Herscheid im Lutherjahr 1933. Der nächste Teller, der sich im Spieker befindet, präsentiert das Martin-Luther-Haus, so wie es sich einst den Herscheidern zeigte. In goldenen Buchstaben ist zu lesen: Unserer Herscheider Jugend ein evangelischer Gruß. Weihnachten 1934.

Das Gotteshaus der Väter ruft die Jugend. Herscheid Weihnachten 1935. Dieser Satz ziert den letzten der vier Motivteller. Zu erkennen ist die Innenansicht der Kirche, wie sie damals war. Mit Emporen und dem alten Barockaltar, welcher 1945 durch einen Granateinschlag zerstört wurde. Während die beiden Letzten Teller noch einen Hinweis auf den deutschen Luthertag am 10. November 1933 und auf 400 Jahre Lutherbibel enthalten, ist dieser Letzte, mit dem Wappen der Gemeinde Herscheid verziert. Interessant ist hierbei, dass dieses Wappen zum damaligen Zeitpunkt noch ganz neu war. Die Gemeinde Herscheid erhielt am 17.Oktober 1935, also wenige Wochen, bevor diese Teller hergestellt wurden, das Recht zur Führung eines eigenen Wappens.

Das es diese Weihnachtsgaben in Form von Tassen und Tellern, auch in den darauffolgenden Jahren gab, zeigen einige Exponate die sich ebenfalls im Spieker befinden. Diese enthalten keine Motive mehr, sondern sind schlicht in Weiß mit Goldrand gehalten und erinnern durch den Schriftzug mit Jahreszahl an den Herscheider Kindergottesdienst.

November 2015 - Kinderwagen

Dieser Schiebekinderwagen aus Holz und Metall, stammt aus der Zeit um 1900 und wurde vor einigen Wochen dem Heimatverein aus dem Haushalt von Willi Bergfeld in Herscheid-Wiesenfeld überlassen. Seitdem wurde dieses Gefährt aus vergangener Zeit zu einem regelrechten Hingucker im Herscheider Heimathaus. Neben den heutigen Kinderwagen, die in bunten Farben und mit allerlei technischen Raffinessen hergestellt werden, erscheint er wie ein Relikt aus grauer Vorzeit. Für unsere Vorfahren war es allerdings eine praktische Errungenschaft, die ihren Weg erst Mitte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland fand. Bis dahin wurden kleine Kinder in einem Tuch oder einem Korb getragen. Auch Schubkarren, die zwar nicht dafür gedacht waren, wurden als Transportmittel für Kleinkinder benutzt. Der erste bekannte Kinderwagen in weitestem Sinne, wurde 1733 in England entwickelt. Dieser besaß ein Geschirr und wurde von Hunden oder Ziegen gezogen. Im Jahr 1852 ließ sich der Engländer Charles Burton einen 3-rädrigen Schiebekinderwagen, den er Perambulator nannte, patentieren. Im gleichen Jahr stellt der Stellmacher Ernst Albert Naehter aus Zeitz auf der Leipziger Messe einen Kinderziehwagen vor. Wegen der großen Nachfrage baute er sein Unternehmen aus und bot im Jahr 1896 in einem Katalog über 100 verschiedene Kinderwagen Modelle an. Es ist zwar nicht mehr nachzuweisen, aber durchaus möglich, dass der Kinderwagen der heute im Spieker steht, ebenfalls von der Firma Naether stammt.

 

Oktober 2015 - Westmark Küchenhelfer

Unter dem Sammelbegriff „Küchenhelfer“ stellt der Geschichts-und Heimatverein das Exponat des Monats Oktober vor, dass aus der jüngeren Geschichte der Gemeinde Herscheid stammt. Auch wenn diese Küchenhelfer noch nicht besonders alt sind, so sind sie doch mit der Herscheider Geschichte fest verbunden. Vor mehr als achtzig Jahren siedelte sich die Firma Westmark, die im Jahr 1923 in Lüdenscheid von Wilhelm Schulte gegründet wurde, in Herscheid an. Anfangs wurden dort Bestecke aus Aluminium, später die bekannten Küchenhelfer hergestellt. Diese zahlreichen Kleingeräte, wie zum Beispiel Eierteiler, Dekoriergeräte, Kirsch und Pflaumen-Entsteiner oder die Zitronenpresse, dienten dazu, die verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten von Lebensmitteln zu erleichtern. Einige dieser praktischen Helfer aus dem Sauerland befinden sich nach wie vor in vielen Haushalten. Manchem Herscheider, besonders denen die bei der Firma Westmark gearbeitet haben, sind Namen wie Decoretto, Kernex, Steinex, Pomfri-Perfekt, Spätzle-Pürett, Kernomat, Duetto und Limona, ein Begriff. Obwohl Firma Westmark vor etwa 10 Jahren nach Lennestadt umsiedelte, bleibt der Name eng mit der Herscheider Geschichte verbunden. Eine kleine Sammlung der beliebten Küchenhelfer befindet sich im Spieker und erinnert damit an ein Stück Herscheider Industriegeschichte.

 

September 2015 - Zapfenhobel

Der Zapfenhobel ist ein Werkzeug, welches für den früheren Beruf des Stellmachers ein wichtiges Hilfsmittel war. Zu den Aufgaben einer Stellmacherei gehörte unter anderem auch die Herstellung von Holzrädern für Kutschen, Leiterwagen oder Schubkarren. Bei dem Zusammenbau dieser Räder war es erforderlich, dass die Zapfen der Speichen einheitlich waren, damit sie in die Radnarbe oder in das äußere Rad passten. Wie der Stellmacher mit dem Zapfenhobel arbeiten musste, um eine gleichmäßige Stärke der Speichenzapfen zu erreichen, erklärt die folgende Anleitung, die etwa um das Jahr 1900 verfasst wurde. Das Anschneiden der runden Speichenzapfen musste früher stets mit dem Schneidemesser erfolgen. Vor einigen Jahrzehnten kam nun ein Apparat auf, mittels dessen man die Zapfen in ganz kurzer Zeit und genau von gleicher Stärke anschneiden konnte. Es ist der sogenannte Zapfenhobel. An der angemerkten Stelle der Speiche wird die Unterlage festgeschraubt durch Andrehen der Schraube bzw. des Griffes. Auf der Unterlage wird nun der Hobel gedreht und dabei immer weiter zusammengeschraubt bis der Zapfen auf die richtige Dicke geschnitten ist. Nachdem der Hobel auf diese Dicke eingestellt ist, können sämtliche Zapfen danach geschnitten werden.

Heute ist der Handwerksberuf des Stellmachers, den man in südlichen Regionen auch Wagner nennt, fast in Vergessenheit geraten. Noch vor 60 Jahren gab es in Herscheid fünf Stellmachereien. In dem Buch  „Die Geschichte der Gemeinde Herscheid“ von Wilhelm Däumer werden im Jahr 1955 folgende Stellmacher aufgeführt: Hugo Bauckhage (Emmeszaun), Emil Bauckhage (Schönebecke), Fritz Geck (Nieder Holte), Otto Heesemann (Wiebruch) und Albert Schulte (Herscheid).

August 2015 - Fotoplatten

Fotografieren ist heute, Dank der digitalen Technik, ein Kinderspiel. Ebenso dass Entwickeln der Bilder für das Fotoalbum. Noch vor wenigen Jahren sah das ganz anders aus. Man kaufte für die Kamera 12, 24 oder 36 Filmrollen und beim Fotografieren überlegte man schon genau, ob das Motiv auch lohnenswert war. Das Exponat des Monats August geht noch weiter, nämlich in die Frühzeit des Fotografierens, zurück. Es handelt sich um Glas-Foto-Platten, die ab dem Jahr 1851 benutzt wurden. Damals war Glas das Erste verfügbare Material, auf das man eine lichtempfindliche Emulsion auftragen konnte. Außerdem waren die Glasplatten formstabil. Ein Nachteil dieser Platten war die Bruchgefahr. Mit der Erfindung des Zelluloids und den dadurch entstandenen Rollenfilmen, wurden die gläsernen Fotoplatten vom Markt verdrängt.

Bei den Fotoplatten, die dem Geschichts-und Heimatverein zur Verfügung stehen, handelt es sich um Familienbilder aus dem Nachlass des in Rärin und später in Herscheid tätigen Lehrers Diedrich Höhmann. Die Bildplatten, die aus dem Jahr 1928 stammen und ein Format von 9 x 6,5 cm haben sind in kleinen Pappschachteln aufbewahrt. Anhand der Etiketten kann man erkennen, dass diese Fotoplatten unter anderem in Essen, Köln und Trier hergestellt wurden.

Juli 2015 - Leibstuhl

Mit dem Exponat des Monats Juli stellt der Geschichts-und Heimatverein ein ganz besonderes Möbelstück vor. Dabei handelt es sich um einen historischen Leibstuhl, den man im Spieker besichtigen kann. 

Die Bezeichnung Leibstuhl, stammt vermutlich noch aus dem 18. Jahrhundert, als dieses Möbelstück überwiegend in vornehmen Haushalten zu finden war. Andere Namen für diesen massiven Holzstuhl, in dessen Sitzfläche sich Stauraum für einen Nachttopf befindet sind: Kammerstuhl, Zimmerklosett, Toilettenstuhl oder Kackstuhl. Vor einigen Jahrzehnten war es üblich, dass sich Toiletten außerhalb der Wohnungen, entweder im Garten oder im Stall befanden. Für alte und kranke Menschen war dieser Stuhl eine Erleichterung denn der Gang zum stillen Örtchen über den Hof, fiel damit weg. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau begann, wurden die Wasserklosetts direkt in die neuen Wohnungen installiert. Toilettenstühle werden heute nur noch in der Alten- und Krankenpflege benutzt und sind aus modernen Materialien. 

Juni 2015 - Butterglas

Aus den zahlreichen Ausstellungsstücken, die sich im Herscheider Spieker befinden, wählte der Heimatverein für diesen Monat ein historisches Butterglas zum Exponat des Monats.

Das Butterglas besteht aus einem Glasbehälter, an dessen Schraubverschluss sich innen ein Quirl aus Holz und außen eine Kurbel befindet. Dieses Gerät ermöglichte den früheren Generationen, Butter für den Eigenbedarf herzustellen. Der vorher von der Milch abgeschöpfte Rahm wurde in das Glas gefüllt und durch das Drehen an der Kurbel, geschlagen. Wenn man lange genug an der Kurbel drehte, bildeten sich nach einiger Zeit Butterklumpen. Diese drückte man dann in einem Handtuch aus, um die Butter von der Flüssigkeit, die sich gebildet hat und bei der es sich um Buttermilch handelt, zu trennen. Danach wurde die fertige Butter in Holzformen gedrückt. Diese Holzmodel waren zum Teil auch verziert und die Butter erhielt ein dekoratives Muster.

Wer das Buttern ausprobieren möchte, benötigt heute weder eine eigene Kuh noch ein Butterglas. Man kauft sich im Supermarkt Sahne und schlägt sie mit dem elektrischen Handrührgerät bis kleine Flöckchen entstehen auf denen sich Flüssigkeit bildet, die man dann abschüttet. Die Butterflöckchen gibt man in ein Sieb und drückt die restliche Flüssigkeit aus. Anschließend füllt man die Butter in eine Butterdose oder in ein anderes Behältnis. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die zum würzen der Butter nur Salz verwendeten, sind heute der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn man nach Rezepten für Butter sucht, findet man neben Knoblauch und Kräuterbutter auch Schokoladenbutter, Pfefferbutter, Zitronenbutter, Hummerbutter, Trüffelbutter und vieles mehr.

Mai 2015 - Lebensmittelmarken/Bezugsscheine

Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, gibt es in manchen Haushalten noch Erinnerungsstücke aus dieser schweren Zeit. Einige davon fanden mittlerweile ihren Weg in das Herscheider Heimathaus, wo sie für die Nachwelt erhalten bleiben. So auch eine Anzahl Lebensmittelmarken bzw. Bezugsscheine aus den Jahren 1941-1944. Diese wurden als Exponat des Monats Mai ausgewählt.

Bereits vier Tage vor dem Kriegsbeginn, nämlich am 28. August 1939 wurden in Deutschland Bezugsscheine für Benzin ausgegeben. Mit dem Kriegsanfang am 01.09.1939 waren Marmelade, Butter, Milch, Käse, Fleisch, Fett und Zucker nur noch gegen Abgabe der Lebenmittelkarten und natürlich Bezahlung, erhältlich. Ab Mitte Oktober 1939 wurde eine Reichskleiderkarte für Zivilisten eingeführt. Später kamen immer mehr Produkte hinzu, die nur mit den farbig gestalteteten Bezugsscheinen erhältlich waren. Auch in der Vergabe dieser Bezugsscheine wurde unterschieden, welche Personengruppe wie viel bekam. So gab es Karten für Jugendliche und Erwachsene, Kinder bis 6 Jahre, Kleinst- und Kleinkinder, Schwerst und Schwerarbeiter. Sonderkarten oder auch Zusatzkarten gab es zu Weihnachten, für Urlauber, für werdende Mütter, für Trauerkleidung und Raucher. Die Bewohner der ländlichen Region bekamen generell geringere Rationen zugeteilt, da sie sich mit Gärten und Landwirtschaft selbst versorgen konnten. Erst am 31. März 1950 wurden die Lebensmittelmarken in der Bundesrepublik Deutschland von der Regierung endgültig abgeschafft.

Die Sammlung, die dem Heimatverein überlassen wurde zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Bezugscheine, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg im Umlauf waren. Darin enthalten ist: Bezugsausweis für Speisekartoffeln, Reichskarte für Marmelade (wahlweise Zucker), Reichsfettkarte, Reichsbrotkarte, Bezugskarte für Gemüsekonserven und Trockengemüse, Reichseierkarte, Reichsseifenkarte, Nährmittelkarte.

April 2015 - Siebenstriemer, Siebenzagel, Siebenschwanz

Das Exponat des Monats April, stammt aus einer Zeit, als die Prügelstrafe zur Erziehung von Kindern üblich war. Während aus Erzählungen bekannt ist, dass in Familien und Schulen überwiegend ein Rohrstock zum schlagen benutzt wurde, gab es aber auch noch ganz andere Instrumente, die den Kindern Gehorsam beibringen sollten.

Die Klopfpeitsche, oder auch Siebenschwanz genannt. Im westfälischen Raum kennt man dieses Schlaginstrument unter dem Namen Siebenstriemer, in der ostpreußischen Region trägt es die Bezeichnung Siebenzagel. Diese verschiedenen Namen erhielt dieses schmerzbringende Gerät durch die Anzahl der Lederstreifen, nämlich sieben Stück, die an einem Holzgriff befestigt waren. Als Vorbild dieser Erziehungshilfe diente, das in Frankreich zum selben Zweck benutzte Martinet. Dort hing es in vielen Häusern direkt im Eingangsbereich um Besuchern zu zeigen: „Hier herrscht Zucht und Ordnung“. Es wurde nach Jean Martinet benannt. Einem Generalinspekteur der französischen Armee, der im 17 Jahrhundert für seine Strenge berüchtigt war.

Die Zeiten, in denen Kindern Gehorsam, Ordnung und Fleiß eingeprügelt wurden, gehören längst der Vergangenheit an, aber sicher gibt es noch den einen oder anderen, der sich an diese Erziehungsmethoden erinnert. Wer sich dieses unangenehme Relikt aus Kindertagen anschauen oder noch mehr darüber zu erzählen möchte, hat am Samstag den 25. April Gelegenheit dazu. Dann ist das Herscheider Heimathaus wieder von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr für Besucher geöffnet. 

März 2015 - Reservisten-Flasche

Als Exponat des Monats März, stellt der Geschichts- und Heimatverein Herscheid ein Relikt aus der Kaiserzeit vor. Es ist eine gut erhaltene Reservisten-Flasche, die seinen Besitzer an seine zurückliegende Militärdienstzeit erinnern sollte.

Die Porzellanflasche ist beidseitig beschriftet und bebildert. Auf der einen Seite befindet sich neben dem Namen des Reservisten (Res. Krüsken) das Bild eines Reiters mit Lanze und Pickelhaube. Vermutlich handelt es sich um einen Kürassier denn der dazugehörige Text lautet: Zum Andenken an meine Dienstzeit bei der 4. Esk Cür. Regt. v. Driesen, Westfäl. Nr.4. Münster 1895-1898. Es lebe hoch das Regiment, das sich mit Stolz von Driesen nennt. Sieg oder Tod. (Das Kürassierregiment von Driesen, Westfälische Nr.4, bestand von 1717 bis 1919 und gehörte der preußischen Armee an.)

Das zweite Bild zeigt einen Soldaten und eine weinende Frau mit folgendem Text:  Parole = Heimat. Du warst mein Trost in trüben Stunden, das hab ich als Soldat empfunden. Weine nicht ich komme wieder. Ja, obs wahr wird?

Die Flasche ist mit Blech ummantelt und der Schraubverschluss, auf dem sich der preußische Adler befindet, dient als Trinkbecher. Im Kaiserreich (1871-1918) waren Soldaten im Volk hoch angesehen und stolz auf ihre Militärzeit. Daher ließen sie sich diese individuellen Erinnerungsstücke anfertigen und zeigten sie auch gerne. Diese Reservistika, gab es nicht nur als Flaschen sondern auch als Tassen, Teller, Krüge, Pfeifenköpfe oder Bilder. Die Blütezeit solcher Erinnerungsstücke war um 1890. Nach den Weltkriegen waren diese Gegenstände verpönt, da sie an eine allzu schreckliche Zeit erinnerten. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke.

         

Februar 2015 - Kragen-Bügeleisen

Wer schon mal den Herscheider Spieker besucht hat, hat im sogenannten Nähzimmer sicher auch die Auswahl alter Bügeleisen bewundert. In verschieden Ausführungen, von klein bis groß, zeigen sie das Wäschebügeln früher harte Arbeit war. Eines dieser Geräte wird heute als Exponat des Monats Februar vorgestellt. 

Auf den ersten Blick hat dieses, ca. 5,5 cm breites und 8,0 cm langes Eisenstück mit einem Holzgriff, wenig Ähnlichkeit mit einem Bügeleisen. Erst die Tatsache, dass dieses kleine Eisenstück hohl und durch eine Klappe verschließbar ist, erinnert an eine Ausführung der älteren Plätteisen. Es handelt sich bei diesem Ausstellungsstück um ein Kragen-Bügeleisen. Da Hemd und Blusenkragen fast immer sichtbar waren, sollten diese besonders gepflegt erscheinen. Deshalb benutzte man dafür dieses kleine Haushaltsgerät. Dazu wurde ein im Ofen erhitzter Glutbolzen in das Gehäuse gesteckt und mit dem so erwärmten Bügelschuh der Kragen geglättet. 

Während für unsere Vorfahren das Bügeln noch eine anstrengende Arbeit war, ist es für uns heute glücklicherweise, wesentlich leichter und schneller.

Januar 2015 - Tisch-Grammophon

Seit dem Jahr 2012 stellt der Geschichts- und Heimatverein monatlich ein Exponat aus dem Herscheider Heimathaus vor. Da sich im Spieker noch unzählige Ausstellungsstücke, aus allen Lebensbereichen unsere Vorfahren befinden, wird diese Serie auch im Jahr 2015 fortgesetzt. Das Exponat des Monats Januar, bei dem es sich um ein altes Tischgrammophon handelt, könnte man als den Urgroßvater des Plattenspielers bezeichnen.

Das wir heute so selbstverständlich Musik von Schallplatten oder CD`s hören können, verdanken wir dem 1851 in Hannover geborenen und später nach Amerika ausgewanderten Emil Berliner. Er beschäftigte sich mit der Weiterentwicklung des 1877 von Thomas Alva Edison erfundenen Phonografen. Am 08. November 1887 erhielt Berliner sein US Patent auf das Grammophon, einem Abspielgerät für Tonaufzeichnungen auf runden Scheiben. Bei den ersten Geräten wurde der Plattenteller durch das Drehen einer Handkurbel angetrieben. Ab 1896 musste man zwar immer noch eine Kurbel betätigen, aber dadurch wurde jetzt ein Federmotor angetrieben. Ein großer Erfolg war, der dann folgende elektrische Antrieb. Die Nadel, die sich durch die spiralförmige Rille der Schallplatte bewegte, war so schnell verschlissen, dass sie nach jedem abspielen gewechselt werden musste. Aus diesem Grund wurden diese Ton- Nadeln in Dosen zu 100 und 200 Stück verkauft. Um das Jahr 1910 entschloss man sich den großen Schalltrichter am Grammophon zu entfernen. Er wurde als störend, unästhetisch und vulgär empfunden. Dieser Lautsprecher, wie man ihn heute nennen würde, wurde in das Innere dieser Geräte verlegt. Das Exemplar, welches sich im Heimathaus befindet, wurde demnach nach 1910 gebaut. Es befindet sich in einem Holzgehäuse mit aufklappbarem Deckel und hinter den Fronttüren befindet sich der Schallausgang. Seit 1930 trat der Bergriff Grammophon immer weiter in den Hintergrund und die Bezeichnung Plattenspieler setzte sich durch.

Wer sich dieses funktionstüchtige Exponat des Monats gerne im Originalzustand ansehen möchte, hat am Sonntag den 25. Januar Gelegenheit dazu. Dann ist der Spieker in der Zeit von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr geöffnet. Falls noch jemand im Besitz einer Schellackplatte ist, kann er diese gerne für eine Hörprobe mit in das Heimathaus bringen.