Oktober 2014 - Erlaubnis zur Haltung einer Kuh

Oft sind es kleine, unscheinbare Dinge die sich im Herscheider Heimathaus befinden. Wenn man dann aber genau      hinschaut,  erzählen sie Interessantes aus vergangener Zeit. So wie das Exponat für den Monat Oktober, bei dem es  sich um ein  Dokument aus dem Jahr 1947 handelt. Es ist ein Antwortschreiben der Kreisbauernschaft Lüdenscheid-  Altena an eine  Herscheiderin, die einen Antrag zur Haltung einer Kuh gestellt hat.

Für die damalige Zeit war es sicherlich nicht ungewöhnlich das sich jemand eine Kuh zulegen wollte, doch schaut man  zurück,  welche Zustände 1947 herrschten, kann man die Beweggründe sicher noch besser verstehen. Der Sommer  1946 war so  trocken und heiß, dass die Ernteerträge bescheiden ausfielen. Von November 1946 bis März 1947  herrschte einer der kältesten  Winter der als Hungerwinter in die Geschichte einging. Die Nahrungsmittelversorgung  brach zusammen. Mehrere  hunderttausend Menschen starben allein in Deutschland an den Auswirkungen. Die  Bewohner der Städte versuchten ihr Hab  und Gut bei den Bauern auf dem Land gegen Lebensmittel einzutauschen.  Die Landbevölkerung konnte sich zwar durch eigene  kleine Landwirtschaft oder das Halten von Vieh besser versorgen,  doch wie man dem Schreiben entnehmen kann, gab es  dabei auch viele Einschränkungen. So durfte von der Milch, die  die Kuh gab, nur eine Menge von 185 Litern jährlich pro  Haushaltsmitglied zurückgehalten werden und Butter durfte  aus der Milch nicht hergestellt werden. Trotz alle dem war es  sicherlich eine kleine Erleichterung, wenn man diese  Erlaubnis zur Haltung einer Kuh bekam.
Da es heute Lebensmittel im Überfluss gibt, kann sich kaum jemand, außer der Generation die es miterlebt hat,  vorstellen das  vor rund 70 Jahren die Menschen in unserer Umgebung Hunger leiden mussten.