Mai 2013 - Selbstschussapparat aus dem Jahr 1930

Vor einiger Zeit erhielt der Heimatverein ein ausgefallenes Ausstellungsstück für das Heimathaus, bei dem es sich um eine Wühlmausfalle handeln sollte. Wie unsere Vorfahren dieses Gerät bedienten war allerdings ein Rätsel und auch die Recherchen zur Handhabung waren zuerst schwierig, da keine Informationen gefunden wurden. Hilfreich war letztendlich der eingestanzte Firmenname GECO, bei dem es sich um die 1887 gegründete Firma Gustav Ganschow und Co. handelte, die 1963 in den Besitz der Sprengstoff und Munitionsfabrik Dynamit Nobel AG ging. Diese wiederum wurde im Jahr 2002 von dem Schweizer Technologiekonzern RUAG übernommen. Eine Anfrage an die Gesellschaft RUAG Ammotec GmbH in Fürth brachte, dank eines Mitarbeiters des Technischen Service, die erhofften Informationen in Form einer Kataloganzeige und einer Bedienungsanleitung aus dem Jahr 1930.

In dieser Kataloganzeige wurde dieses Gerät als Original-Geco-Selbstschußapparat angeboten. Der sicherste Schutz gegen Diebstahl und Raub, für Garten und Hofbesitzer unentbehrlich. Der Preis per Stück betrug 6 Mark. Die Bedienungsanleitung erklärt ausführlich in Bild und Text die Anleitung zum Laden des Apparates und welche Patronen benutzt werden können. Sehr abenteuerlich liest sich die Beschreibung zum Aufstellen des Apparates und wird daher an dieser Stelle im Originaltext wiedergegeben: Der Apparat wird an geeigneter Stelle, auf dem Fußboden, an der Wand an die Türbekleidung oder wo sich nur immer eine zweckmäßige Möglichkeit bietet, festgeschraubt und der Abzugshaken mit einer Schnur versehen. Nachdem der Apparat fertig geladen ist, wird die Schnur mit einer Türklinke, einer Tür, einem Fensterflügel usw. verbunden, so daß beim widerrechtlichen Oeffnen des Raumes der Abzugshaken vom Hahn abgezogen wird und dadurch der Schuß losgeht. Apparate welche im Freien angebracht werden, werden zweckmäßig unauffällig durch eine alte Konservenbüchse oder dergl. verblendet und dabei gleichzeitig gegen Regen geschützt. Es ist zweckmäßig, an beiden Enden des Apparates beim Aufschrauben auf ein Brett ein kleines Stückchen Pappe als Auflagefläche zu benutzen, so daß der Apparat in seinem mittleren Teile hohl liegt. Dieses hat den Vorteil, daß sich das Holz, auf welches der “Geco” aufgeschraubt ist, infolge von Witterungseinflüssen ziehen und werfen kann, ohne die Haltbarkeit des Apparates zu gefährden.

Weiterhin wird angemerkt, dass dieses Modell auch hervorragend zur Raubzeug-Vertilgung geeignet ist. Unter dem Begriff “Raubzeug” fielen früher Elstern, Marderhunde, Waschbären, Rabenkrähen Wanderratten usw. Alle Tiere, die nicht dem Jagdrecht unterlagen aber zum Schutz des Wildes gejagt werden durften.

Der abgebildete Selbstschuss-Apparat, der nun als Ausstellungsstück im Heimathaus zu sehen ist, befindet sich nicht mehr im Originalzustand, denn der Lauf wurde eindeutig verlängert.  Warum dieses Gerät verändert wurde und ob es zum Selbstschutz, zum Wildern oder tatsächlich als Wühlmausfalle diente, wird wohl ein Geheimnis bleiben.