Dezember 2013 - Klemmeisen und Eiserkuchen

Es gibt Traditionen die für uns heute, dank moderner Technik, selbstverständlich sind. Dabei macht sich kaum jemand Gedanken über den Ursprung. So ist es zum Beispiel mit dem Backen von Eiserhörnchen, einem beliebten Gebäck, das nicht nur in der Adventszeit gebacken wird und regional verschiedene Bezeichnungen hat. Das Hörnchenbacken stammt ursprünglich aus Norddeutschland und man kennt dieses Gebäck auch unter den Namen Eiserkuchen, Klemmkuchen, Röllekes, Hippen oder Piepkuchen. Da es in manchen Gegenden ein alter Brauch war, die Hörnchen zum Neujahrstag zu backen und zu verschenken, nennt man sie dort auch Neujahrskuchen oder Neujahrshörnchen.

Der Teig für die Eiserhörnchen besteht aus Mehl, Butter, Zucker, Eier, Wasser und wird nach Geschmack oder Anlass mit Zimt, Anis, Vanille oder Kardamom verfeinert. Heute wird der Teig in einem Hörncheneisen, ähnlich einem Waffeleisen, gebacken. Unsere Vorfahren benutzen dazu ein Klemmkucheneisen oder auch Zangenbackeisen genannt. Diese Art Waffeleisen ist schon im 13. Jahrhundert nachweisbar. Die schmiedeeisernen Geräte bestanden aus zwei Eisenplatten mit langen Hebelarmen und waren oft reich verziert. Der dünnflüssige Waffelteig wurde zwischen die Eisenplatten gefüllt, und das Eisen in das offene Feuer oder die Glut gehalten und die Waffeln wurden auf diese Weise gebacken. Dabei handelte es sich um eine schwere Arbeit, denn es gab Klemmeisen, die bis zu vier Kilogramm schwer waren. Nach dem Backen wurden die flachen Waffeln schnell zu Rollen oder Hörnchen geformt und mussten auskühlen. Um das knusprige Gebäck in ein Hörnchen zu verwandeln, konnte man ein konisch geformtes Hörnchenrollholz benutzen, dass es übrigens auch heute noch für diesen Zweck zu kaufen gibt. Wenn das Hörnchen einen Moment abgekühlt und damit etwas fest geworden ist, nimmt man es vorsichtig von dem Holzkeil. Der Herscheider Klempner Karl Cordt, hat sich für das Auskühlen der Eiserhörnchen etwas Besonderes einfallen lassen. Er stellte im Jahr 1945, die auf dem Foto abgebildeten Becher her, in denen das Gebäck, zum Abkühlen hineingestellt wurde. Durch die im Blech enthaltenen Löcher konnte die Hitze entweichen aber die Eiserhörnchen behielten die Tütenform und konnten nicht zerbrechen.

November 2013 - Dampfkonservierer der Firma PEFRA

Wie ein Wunder wirkt für die vielbeschäftigte Hausfrau das Arbeiten mit dem bewährten Dampfkonservierer “ Das Wunder ” mit dem Thermometer. Mit diesem Text, wirbt die 1909 von Peter Franken in Düsseldorf gegründete Firma PEFRA, in den 50iger Jahren für ein handliches Gerät mit dem Lebensmittel, durch Übertragung von Wasserdampf, haltbar gemacht wurden.

Der kleine Apparat besteht aus einem Mundstück, das auf den Schnabel jedes Wasserkessels passt. Ein beweglicher Aluminiumschlauch leitet den Dampf aus dem Kessel zu einer Düse, aus deren beiden langen Schlitzen er ausströmt. Neben der flachen Tülle ist ein Thermometer, in den Haltegriff aus isoliertem Kunstharz, eingebaut. Der durchströmende Dampf bringt die rotgefärbte Quecksilbersäule zum Steigen, so dass die erreichte Temperatur bequem abzulesen ist. Man beginnt die Arbeit, indem der Apparat in das erste, frisch ausgewaschene Glas hineingehalten wird. Auf diese Weise wird es durchgedämpft und erhitzt. Danach füllt man das fertig gekochte und möglichst noch heiße Einkochgut bis etwa 1 1/2 cm. unter den Rand in das Glas. Auf den Rand wir dann ein noch nasser Gummiring gelegt. Anschließend hält man die Dampfausströmungsdüse in den freien Raum zwischen dem heißen Einkochgut und dem leicht aufgelegten Deckel. Dadurch erfolgt eine so starke Erhitzung dieses Luftraumes, dass alle Keime abgetötet werden und zugleich ein Vakuum entsteht. Dadurch wird der Deckel auf dem Einkochglas dauerhaft verschlossen.

Es handelte sich bei diesem Verfahren zur Konservierung von Lebensmitteln, um eine verwandte Art des Einkochen, die laut Hersteller Zeit, Geld und Arbeit ersparen sollte.

Oktober 2013 - Stickrahmen mit Tischbefestigung

Das Exponat für den Monat Oktober dürfte vor allem den weiblichen Lesern bekannt sein. Es handelt sich um einen hölzernen Stickrahmen, der sich mittels einer Schraubzwinge, am Tisch befestigen lässt und man dadurch beide Hände für die Stickarbeiten zur Verfügung hat. Damit sich der zu bearbeitende Stoff durch die Stickerei nicht zusammenzieht oder die Muster darauf verzerrt werden, spannt man ihn stramm in den Stickrahmen.

Als im Mittelalter die Stickerei in Europa bekannt wurde, wurde diese zeitaufwendige und teure Handarbeit vielfach für kirchliche Zwecke genutzt. Da diese Handarbeitstechnik als ein Zeichen des Wohlstandes galt,  war sie lange Zeit der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten was zur Folge hatte, dass überwiegend die Frauen aus den adeligen Häusern diese Handarbeit erlernten. Im Laufe der Zeit eigneten sich fast alle jungen Mädchen und Frauen die Stickerei an, um mit der Buntstickerei oder der Weißstickerei Kleidung, Wäsche, und Tischzeug zu verzieren. Beliebt war auch das Besticken der Überhandtücher, die in der Küche als Vorhang für den Handtuchhalter dienten. Diese wurden mit Motiven und Sprüchen bestickt, wie zum Beispiel “Kochen und braten soll gut geraten” oder “Ordnungssinn bringt Gewinn”.

Während unsere Groß- und Urgroßmütter stickten um ihre Aussteuer zu verzieren oder ihre Taschentücher mit Filigranen Buchstaben zu kennzeichnen, ist das Sticken heute ein Hobby, welches sich immer noch großer Beliebtheit erfreut. Neben den bestickten Tischdecken mit allerlei Motiven, zieren auch Bilder und Kissen so manchen Haushalt. Auf vielen Kleidungsstücken, befinden sich heute nicht nur die gestickten Initialen sondern der ganze Vorname des Besitzers. Wer nicht mehr mit der Hand sticken möchte, hat mittlerweile auch die Möglichkeit, Stickarbeiten mit einer Nähmaschine, die ein Stickmodul besitzt, herzustellen.

 

September 2013 - Schiefertafel und Griffel

In diesem Monat enden die Sommerferien und für viele Schulanfänger beginnt der Ernst des Lebens. Nicht nur die I-Männchen sondern auch alle anderen Schüler müssen in diesen Tagen ihre Schultaschen für das kommende Schuljahr mit Schulmaterial auffüllen. Dazu gehört, neben Büchern und allerlei Stiften, eine große Menge Papier in Form von Heften und Blöcken. Der Geschichts- und Heimatverein Herscheid nimmt den Schulbeginn zum Anlass und wählte als Exponat des Monats die Schiefertafel mit ihrem Zubehör aus.

Bei diesem Exponat muss man nicht sehr weit in die Vergangenheit zurück blicken, denn diese Tafeln wurden noch bis in die 1970er Jahre an Grundschulen, zum Schreiben- und Rechnen  benutzt. Zu diesem Zeitpunkt bestanden sie, ebenso wie der dazugehörige Griffelkasten, größtenteils aus Kunststoff. Bevor die Tafeln aus Kunststoff hergestellt wurden, benutzten Generationen von Schülern, bis in die 1960er Jahre, eine Schiefertafel. Dabei handelte es sich um eine dünne Schieferplatte, die in einem Holzrahmen befestigt war. Auf einer Seite befanden sich Linien zum schreiben, auf der anderen Kästchen zum rechnen. Zum Beschreiben der Tafel wurde ein Schreib-Griffel benutzt, der ebenfalls aus Schiefer hergestellt und mit Papier umwickelt war. Um diese Schreibgeräte sicher zu transportieren, legte man sie in einen Griffelkasten aus Holz der mit einem Schiebedeckel geschlossen wurde. Zum säubern der Schiefertafel benutzte man einen kleinen nassen Schwamm, der sich zur Aufbewahrung in einer Schwammdose befand und einen trockenen Tafellappen der mit einem Band an der Schiefertafel befestigt war. Ein großer Vorteil der Schiefertafeln war, dass sie sehr preiswert waren, da sie aus heimischen Rohstoffen hergestellt wurden. Im Gegensatz zu den heute benötigten Papiermengen, war dieser Schulartikel sehr umweltfreundlich. Aber natürlich gab es auch Nachteile. Dazu zählt, dass diese Schiefertafeln sehr zerbrechlich waren und wenn Geschriebenes einmal weggewischt wurde, gab es keine Möglichkeit dieses noch mal nachzulesen. Durch den Einsatz von Papier, verlor die Schiefertafel im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung und verschwand schließlich ganz aus dem Schulalltag.

Zum Thema Ferienende bzw. Schulbeginn ist auch interessant zu wissen, dass dieser Termin mehrmals geändert wurde. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts fand der Schulbeginn zu Ostern statt. 1941 wurde dieser Termin in den September verlegt und im Jahr 1948 wieder auf Ostern. Im Jahr 1964 einigten sich die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer in der Bundesrepublik Deutschland in dem Hamburger Abkommen auf die Vereinheitlichung des Schulwesens. Dazu gehörte unter anderem die Festlegung des Schuljahresbeginns  auf den ersten August. Die Sommerferien sollen zwischen dem ersten Juli und zehnten September stattfinden. Diese Vereinheitlichung wurde durch die Kultusministerkonferenz am 28.10.1964 verabschiedet und ist bis heute in Kraft.   

August 2013 - Mandolin-Zither

Dass sich im Herscheider Spieker eine Vielzahl an Ausstellungsstücken, aus den unterschiedlichsten Bereichen befinden, zeigt das Exponat des Monats August bei dem es diesmal um ein altes Musikinstrument geht. Es handelt sich dabei um eine Variation einer Akkord-Zither, nämlich um eine sogenannte Mandolin-Zither. Diese Instrumente waren im ausgehenden 19.Jahrhundert für die Hausmusik sehr beliebt weil ein speziell entwickeltes Notensystem  auch dem Laien ein relativ einfaches spielen  ermöglichte. Während mit der rechten Hand die Melodie gespielt wurde, sorgte die Linke mit fest gestimmten Akkorden für die Begleitung. Heutzutage bringt man die Zither am ehesten mit Musik aus dem süddeutschen Raum in Verbindung oder man denkt an eins der bekanntesten, auf einer Zither gespielten Lieder, “Der dritte Mann”. Daher liegt die Frage nahe, wie kam dieses Instrument in das Herscheider Heimathaus.

Diese Mandolin-Zither stammt aus dem Nachlass des Heinrich Buse. Dieser zählt zu den bedeutenden Söhnen der Stadt Iserlohn, wo er 1889 geboren wurde. Neben seinem  erlernten Beruf als Graveur und Ziseleur, malte Heinrich Buse Bilder mit heimatverbundenen Motiven. Von ihm existieren zahlreiche Ölgemälde, Bleistift und Tuschezeichnungen. Außerdem schrieb er Gedichte in plattdeutscher Mundart. Eine Enkelin von Heinrich Buse, die in Herscheid-Hüinghausen lebt, stellte dem Herscheider Heimatverein das mit Jugendstil-Dekor verzierte Musikinstrument  als Ausstellungsstück zur Verfügung.

 

Juli 2013 - Ölgemälde Blick auf Herscheid-Rärin

Die Auswahl zum Exponat des Monats fiel diesmal auf ein Ölgemälde dass einen Teil der Ortschaft Rärin, so wie sie vor vielen Jahren war, zeigt. Das Bild wurde von dem Künstler Emmerich Reiss (* 1911, + 1987) gemalt Der gebürtige Österreicher wohnte in Werdohl und stand in einem freundschaftlichen Verhältnis zu der Familie Brünger, deren Tochter gemeinsam mit Ihrem Ehemann, den Gasthof Brandeike führte.

Das Gemälde stammt aus dem Nachlass der Nachkommen des Rudolf Vossloh, der im Jahr 1837 den Gasthof Brandeike in Herscheid-Rärin eröffnete. Über viele Jahre war dieser Gasthof, zu dem auch ein Pensionsbetrieb mit 12 Betten gehörte, eine beliebte Stätte der Gastlichkeit für Besucher aus nah und fern. Für den MGV Sangesfreunde Rärin diente die Brandeike über viele Jahre als Vereinslokal. Nach mehr als 170 Jahren wurde der Gasthof im Jahr 2008  geschlossen. Auf dem Ölgemälde und ebenso auf dem zum Vergleich erstellten aktuellen Foto, ist das Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft nur zu erahnen, da es sich jeweils auf der rechten Seite hinter den Bäumen befindet. Auch die Häuser im Dorf Rärin, sind von dem Standort, von dem aus das Gemälde gemacht wurde, heute kaum noch zu erkennen.

 

 

Juni 2013 - Schnelltrocken Wringer "Mühelos"

Heutzutage ist der Waschtag, in der Form wie es ihn früher gab, fast in Vergessenheit geraten. Was heute mit wenigen Handgriffen in einigen Stunden erledigt ist, war früher mühsam und zeitaufwendig.

Am ersten Tag wurde die Wäsche eingeweicht um den groben Schmutz zu lösen. Am zweiten Tag begann dann die eigentliche Arbeit. In großen Bottichen wurde Wasser erhitzt und die Wäsche darin gekocht. Für die weiße Wäsche fügte man dem Wasser Waschsoda hinzu. Dieses hatte nicht nur eine fettlösende Kraft sondern bleichte die Wäsche zusätzlich. Auch heute gilt Waschsoda noch als Universalmittel im Haushalt. Allerdings hatte dieses Reinigungsmittel den Nachteil, dass es die Hände der Hausfrau auslaugte. Für die übrige Wäsche gab man Stücke von Kernseife oder Schmierseife in das Wasser und die Wäsche wurde dann mit einem Wäschestampfer oder auf dem Waschbrett bearbeitet. Im Anschluss wurden die Textilien in klarem Wasser ausgespült. Nach diesem Arbeitsgang musste die Wäsche ausgewrungen werden und  diese Aufgabe erforderte nicht nur viel Kraft sondern bei großer Bett- oder Tischwäsche auch eine zweite Person. Daher war es eine Erleichterung, wenn man einen sogenannten Trocken- Wringer besaß.

Dieses Gerät, wie es auf dem Foto dargestellt ist, wurde mit Schraubzwingen an dem Rand der Bottich-Waschmaschine befestigt. Die Wäsche wurde zwischen die Walzen gelegt und mittels einer Kurbel hindurch gedreht. Das Wasser wurde so aus der Wäsche herausgepresst. Der Schnelltrocken- Wringer, der im Heimathaus ausgestellt ist, wurde von der Firma Scheepers hergestellt und trägt den bemerkenswerten Namen “Mühelos”. Eine wirkliche Erleichterung für die Hausfrauen brachten aber erst die elektrischen Wäscheschleudern, die sich einige Jahre in vielen Haushalten wiederfanden. Diese wiederum verloren schnell an Bedeutung, als die ersten Waschmaschinen, so wie wir sie heute kennen, Einzug hielten.

Mai 2013 - Selbstschussapparat aus dem Jahr 1930

Vor einiger Zeit erhielt der Heimatverein ein ausgefallenes Ausstellungsstück für das Heimathaus, bei dem es sich um eine Wühlmausfalle handeln sollte. Wie unsere Vorfahren dieses Gerät bedienten war allerdings ein Rätsel und auch die Recherchen zur Handhabung waren zuerst schwierig, da keine Informationen gefunden wurden. Hilfreich war letztendlich der eingestanzte Firmenname GECO, bei dem es sich um die 1887 gegründete Firma Gustav Ganschow und Co. handelte, die 1963 in den Besitz der Sprengstoff und Munitionsfabrik Dynamit Nobel AG ging. Diese wiederum wurde im Jahr 2002 von dem Schweizer Technologiekonzern RUAG übernommen. Eine Anfrage an die Gesellschaft RUAG Ammotec GmbH in Fürth brachte, dank eines Mitarbeiters des Technischen Service, die erhofften Informationen in Form einer Kataloganzeige und einer Bedienungsanleitung aus dem Jahr 1930.

In dieser Kataloganzeige wurde dieses Gerät als Original-Geco-Selbstschußapparat angeboten. Der sicherste Schutz gegen Diebstahl und Raub, für Garten und Hofbesitzer unentbehrlich. Der Preis per Stück betrug 6 Mark. Die Bedienungsanleitung erklärt ausführlich in Bild und Text die Anleitung zum Laden des Apparates und welche Patronen benutzt werden können. Sehr abenteuerlich liest sich die Beschreibung zum Aufstellen des Apparates und wird daher an dieser Stelle im Originaltext wiedergegeben: Der Apparat wird an geeigneter Stelle, auf dem Fußboden, an der Wand an die Türbekleidung oder wo sich nur immer eine zweckmäßige Möglichkeit bietet, festgeschraubt und der Abzugshaken mit einer Schnur versehen. Nachdem der Apparat fertig geladen ist, wird die Schnur mit einer Türklinke, einer Tür, einem Fensterflügel usw. verbunden, so daß beim widerrechtlichen Oeffnen des Raumes der Abzugshaken vom Hahn abgezogen wird und dadurch der Schuß losgeht. Apparate welche im Freien angebracht werden, werden zweckmäßig unauffällig durch eine alte Konservenbüchse oder dergl. verblendet und dabei gleichzeitig gegen Regen geschützt. Es ist zweckmäßig, an beiden Enden des Apparates beim Aufschrauben auf ein Brett ein kleines Stückchen Pappe als Auflagefläche zu benutzen, so daß der Apparat in seinem mittleren Teile hohl liegt. Dieses hat den Vorteil, daß sich das Holz, auf welches der “Geco” aufgeschraubt ist, infolge von Witterungseinflüssen ziehen und werfen kann, ohne die Haltbarkeit des Apparates zu gefährden.

Weiterhin wird angemerkt, dass dieses Modell auch hervorragend zur Raubzeug-Vertilgung geeignet ist. Unter dem Begriff “Raubzeug” fielen früher Elstern, Marderhunde, Waschbären, Rabenkrähen Wanderratten usw. Alle Tiere, die nicht dem Jagdrecht unterlagen aber zum Schutz des Wildes gejagt werden durften.

Der abgebildete Selbstschuss-Apparat, der nun als Ausstellungsstück im Heimathaus zu sehen ist, befindet sich nicht mehr im Originalzustand, denn der Lauf wurde eindeutig verlängert.  Warum dieses Gerät verändert wurde und ob es zum Selbstschutz, zum Wildern oder tatsächlich als Wühlmausfalle diente, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

April 2013 - Lehmziegel für den Spieker

Vor wenigen Wochen haben die Sanierungsarbeiten am Spieker begonnen und da liegt es nahe, dass sich das Exponat des Monats mit diesem Thema beschäftigt. Als solches wird in diesem Monat der Lehmziegel vorgestellt.

Lehm ist neben Holz einer der ältesten Baustoffe und galt viele Jahre, wegen seiner geringen Kosten, als Baumaterial der armen Leute. Mittlerweile weiß man aber das Lehm viele Vorteile aufweist. So ist er unter anderem umweltschonend, da er in der Herstellung sehr wenig Energie benötigt, dient als Wärme und Holzschutz, reguliert das Raumklima und gibt keine Schadstoffe ab. Außerdem ist er wiederverwendbar und unbegrenzt verfügbar.

Für die Restaurierung des Herscheider Spiekers werden luftgetrocknete Leichtlehmziegel, die aus einem Gemisch von Ton, Feinsand und Sand bestehen und einen hohen Faseranteil haben, verwendet. Diese Steine werden in die Flächen zwischen den Balken, den sogenannten Gefachen, mit Lehmmörtel vermauert. Die Lehmziegel wirken auf das Holz feuchtigkeitsregulierend und konservierend.

Diese einerseits uralte aber doch wieder moderne Art mit Lehm zu bauen, kann man in einigen Monaten auch an einem der ältesten Gebäude in Herscheid bewundern.

März 2013 - Aufzeichnungen über Ober- und Nieder Holte und Stottmert

Bei dem Exponat des Monats März, handelt es sich um ein kleines, handgeschriebenes Heft, das dem Geschichts- und Heimatverein von Caroline Vedder aus Nieder-Holte zur Verfügung gestellt wurde und das ein Stück Herscheider Geschichte erzählt. In diesem kleinen Büchlein, dessen Alter und der Verfasser leider unbekannt sind, wurden die Häuser von Nieder-Holte, Ober-Holte und Stottmert  skizziert und die dort wohnenden Familien zusammengetragen.

Das Heft beginnt mit einer Zeichnung der Wohnhäuser in Nieder-Holte und der Aufzählung der Besitzer. So erfährt man aus den Notizen, dass das Raulfs Gut, welches im Jahr 1652 verfallen war, im Jahr 1749 einem Peter Henrich Raulf gehörte und später Emil Pieper dieses Gut von seinem Onkel Wermeckes erbte. Das Fischers Gut war überwiegend im Besitz der Familie Höllermann und ging 1805 durch Heirat einer Tochter mit Peter Friedrich Grüber in dessen Besitz. Für das Eschers-Vedders-Deckers Gut sind die Familiennamen Pieper, Kayser, Escher, Schmale, Vedder und Lohmann verzeichnet. Weitere Häuser sind das Piepers oder Vüörden Hus, das Hüllenhaus das Seusters Gut und ein Haus mit der Bezeichnung In der Fuar. Ein Haus mit dem Namen Ob der Grauwe soll laut dieser Aufzeichnungen Silvester 1806/1807 abgebrannt sein.

In Ober-Holte beginnt die Zeichnung mit dem Doppelhaus von Albert und Otto Geck, das im Jahr 1701 im Besitz des Joh. Stamm war. Durch Heirat kam es in den Besitz der Familie Baberg und wiederum durch eine Ehe in den Besitz der Fam. Geck. Zu diesem Haus gehörte das Gebäude In der Schmitte, bei dem es sich um die ehemalige Jugendherberge handelt. Es folgt eine Zusammenstellung zu dem Hüssmerts-Haus, welches laut der Aufzeichnungen bis 1798 ein Doppelhaus war und durch ein Feuer zerstört wurde. Nach dem Brand entstanden dort zwei einzelne Häuser. Zu diesen beiden Wohnhäusern werden die Familiennamen Höllermann, Cordt, Cramer und Hülter genannt. Zum Schluss wird noch der abgebrannte Backes erwähnt, dessen letzter Besitzer mit Bäcker Uerpmann angegeben wird.

Auch für Stottmert hat der Verfasser dieser kleinen Schrift die Lage der Häuser eingezeichnet und mit Namen versehen. Dabei handelt es sich um vier Teile des Paulmanns Gut mit den Familiennamen Stamm, Wigginghaus, Lange, Alberts, Cölsche, Brüggen, Buschhaus und Marlinghaus. Es folgt das Lösenbecks Gut mit den Bewohnern Scharpe, Baberg, Reuner, Pieper, Kraugmann, Bauckhage. Für das Piepers Gut wird als Besitzer nur die Familie Pieper genannt. Die Bewohner im Pauler Gut waren Paulmann, Cölsche und Marlinghaus. Zum Schluss folgt das Schevengut mit den Familiennamen Scheve und Stamm.

Neben den vorgenannten Informationen, hat der Verfasser jedes Haus mit der Nummer aus dem Hypothekenbuch versehen und zu einzelnen Familiennamen die Vorfahren mit Jahreszahlen zusammengetragen. Dies gibt dem Leser einen kleinen Einblick in die Geschichte der drei Herscheider Ortsteile.

Februar 2013 - Wärmflasche und Wärmpfanne

In der kalten Jahreszeit ist es für uns heute eine Selbstverständlichkeit, dass wir Tag und Nacht in unseren Wohnungen angenehme Temperaturen haben. Was für uns ganz normal ist, war für unsere Vorfahren nicht denkbar denn in den meisten Häusern befand sich früher nur ein Ofen und dieser stand in der Küche. So waren die Schlafräume damals ungeheizt und wer nicht das Glück hatte, sein Bett in der Nähe einer solchen Wärmequelle zu haben, musste im Winter die Kälte der Nacht ertragen. Um das eigene Bett ein wenig zu erwärmen, legten sich manche Leute einen im Ofen erhitzten Ziegelstein, der um Verbrennungen zu vermeiden in ein Tuch gewickelt wurde, unter die Bettdecke.  Andere benutzten Wärmflaschen, die entweder mit  heißem Wasser oder Sand gefüllt wurden. 

Die ersten Wärmflaschen wurden etwa im Jahr 1520  aus Zinn hergestellt. Da sie tatsächlich die Form einer Flasche hatten, entstand daraus der heute noch gebräuchliche Name. Später benutzte man zur Herstellung andere Materialien wie Zink, Kupfer, Glas, Aluminium und Steingut. Da die Flaschen aus Steingut bedeutend günstiger waren als die aus Metall, wurden sie häufig von der ärmeren Bevölkerung benutzt. Im 18 Jahrhundert setzte sich Kupfer als Herstellungsmaterial durch weil es ein sehr guter Wärmeleiter ist und sich leicht formen lässt. Auch die Form der Wärmflaschen, die auch Bettwärmer genannt wurden, veränderte sich. Neben der Flaschenform gab es welche die an den Körper angepasst waren und zur Linderung von Schmerzen genutzt wurden. Bekannter dürfte jedoch die auf dem Foto abgebildete ovale Wärmflasche sein. Zum Schutz vor Verbrennungen wurde diese meist mit einem gehäkelten oder gestrickten Bezug versehen.

Sehr beliebt waren auch Wärmepfannen welche schon im Jahr 1715 in dem Buch “ Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer - Lexicon” von Gottlieb Siegmund Corvinus wie folgt beschrieben wurden: Wärm-Pfanne ist ein von Kupffer oder Messing rund gewölbtes Behhältnüß, mit einem langen Stiel und durchlöcherten Deckel versehen, wird mit glühenden Kohlen zur Erwärmung der Betten angefüllt. 

Ab den 1920er Jahren wurden die ersten Wärmflaschen aus Gummi, so wie wir sie heute kennen, hergestellt.  Dank moderner Zentralheizung dienen die Bettwärmer  heutzutage nur noch als Dekorationstücke.

 

Januar 2013 - Der Henkelmann

Der Henkelmann ist ein Behälter aus Aluminium, manchmal auch aus Emaille, der früher zum Transport von vorgekochtem Essen benutzt wurde. Es gab Ausführungen als Einzel oder Doppelbehälter. Seinen Namen erhielt er durch den Traggriff, den sogenannten Henkel. In Zeiten als die Arbeitszeit lang und die Arbeit körperlich anstrengend war, nahmen die Arbeiter ihr Mittagessen mit in die Fabrik. In den Fabrikhallen gab es Öfen auf denen Wasser gekocht wurde und man stellte den Henkelmann dort hinein um das Essen, bei dem es sich meist um Suppen oder Eintöpfe handelte, zu wärmen. Wenn der Weg zur Arbeitsstätte nicht zu weit war, brachten mittags die Ehefrauen ihren Männern den Henkelmann an das Werkstor und konnten diese Gelegenheit gleich mit einer Plauderei  verbinden. Der Henkelmann war bis in die 50/60er Jahre des 20. Jahrhunderts verbreitet. Nachdem in die Betriebe Kantinen und später Automaten Einzug hielten und die Arbeitszeiten verkürzt wurden, verlor dieses Essgeschirr immer mehr an Bedeutung.