November 2012 - Spekulatiusbrett oder auch Spekulatiusmodel

Dieses Spekulatiusbrett bekam der Herscheider Bäckermeister Gustav Raulf (*1865 +1947)  im Jahr 1889 von seinem Lehrmeister geschenkt. Das aus Buchenholz bestehende Brett war nicht neu und hatte durch das ständige Ausklopfen des Gebäcks schon starke Gebrauchsspuren, so dass man davon ausgehen kann, dass es um einige Jahre älter ist. Da früher beschädigte Gegenstände nicht einfach weggeworfen sondern repariert wurden, zieren dieses Gerät seitlich zwei dicke Schrauben, die es trotz tiefer Risse zusammenhalten und ein weiterarbeiten ermöglichen. Als ungewöhnlich erweisen sich die drei Motive dieses Holzmodels, die christlichen Ursprungs sind. Das erste Bild zeigt eindeutig den Baum der Erkenntnis in dem sich eine Schlange befindet und Adam und Eva. Bei diesem ersten Motiv handelt es sich um den Sündenfall. Welche Bedeutung die beiden nachfolgenden Motive haben, ist im Moment noch unklar. Das mittlere Motiv zeigt eine Person, evtl. einen Narren, der auf einem Bock sitzend über ein Kreuz springt und auf dem unteren Bild sitzt eine Person rücklings auf einem Kamel und hilft einer anderen Person hinauf oder will diese abwehren? Trotz intensiver Suche war es noch nicht möglich, diese beiden Bilder zu deuten. Vermutlich macht sich heute niemand beim Verzehr von Spekulatius Gedanken, welchen Sinn die Motive haben oder woher der Name dieses Gebäcks stammt. Das mit Kardamom, Gewürznelken, Zimt und Muskatnuss verfeinerte Mürbeteiggebäck wurde ursprünglich zu Ehren des Hl. Nikolaus gebacken und die Motive stellten traditionell die Nikolausgeschichte dar. Mönche schnitzten Spekulatiusbretter mit christlichen Motiven. Heute befinden sich auf dem Gebäck meistens Abbildungen von Windmühlen, Schiffen, Bauernhäusern oder Tieren. Für den Namen Spekulatius gibt es zwei mögliche Erklärungen. Zum einen könnte sich der Begriff  von der lat. Bezeichnung episcopus speculator = ein prüfender/nachfragender Bischof  oder von dem ebenfalls lat. Ausdruck speculum = Spiegel, wegen der spiegelbildlichen Darstellung in dem Spekulatiusbrett, ableiten.

In früheren Zeiten wurde dieses weihnachtliche Formgebäck in den Backstuben in Handarbeit gefertigt. Dazu wurde der Teig in die handgeschnitzten Spekulatiusbretter gedrückt und der überstehende Teig mit dem  Spekulatiusabzieher, der ebenfalls auf dem Foto abgebildet ist, von der Form abgestrichen. Danach wurden die Plätzchen aus dem Spekulatiusbrett herausgeklopft, in dem man die Form auf die Tischkante schlug. Die Teiglinge wurden auf Backbleche gelegt und anschließend gebacken. Diese Methode wird heute sicherlich nur noch von wenigen Bäckereien angewandt, da die meisten Spekulatius industriell angefertigt werden.