Oktober 2012 - Karbidfahrradlampe

Ein Gartenfreund kennt den typischen, etwas unangenehmen Geruch, wenn er Karbidpräparate zur sanften Vertreibung von Wühlmäusen und Maulwürfen in seinem Garten einsetzt. Weniger bekannt dürfte sein, das bis in die 1950er Jahre Karbid in Verbindung mit Wasser als Brennmittel für Fahrzeuglampen an Fahrrädern, Motorfahrzeugen und bei der Eisenbahn sowie sehr verbreitet zum autogenen Schweißen verwendet wurde.

Aus den verschiedenen im Spieker befindlichen Exponaten zu diesem Thema hat der Geschichts- und Heimatverein eine Karbidfahrradlampe ausgewählt, die vermutlich um 1935 herum dem Fahrradfahrer ein Fahren bei Dunkelheit ermöglichte. Karbid wird aus Kohle und Kalk unter Sauerstoffabschluss gebrannt. In Verbindung mit Wasser entsteht das brennbare Acetylengas. Erfunden wurde diese Technologie 1862 von dem Frankfurter Chemiker Friederich Wöhler. Karbidlampen sind somit Gaslampen mit eingebautem Gasentwickler. An der im Reflektorgehäuse mit Scheinwerferspiegel befindlichen Brennerdüse musste die Licht liefernde Flamme mit Streichholz oder Ähnlichem entzündet werden.

Die im Bild gezeigte Lampe ist mit einer Federaufhängung versehen, die den Lampenkörper von harten Stößen entkoppelt. Die Brennerdüse mündet in den Gasraum, der sich abgedichtet zwischen dem oberen Wasserbehälter und dem unteren Karbidspeicher befindet. Über einen Wasserzuflussregler oberhalb des Wasserbehälters wurde die Wasserzugabe in den Karbidspeicher dosiert und so die Helligkeit der Lampe in Grenzen beeinflusst.

In der hier gezeigten Karbidlampe ist bezeichnenderweise auf der Oberseite der Name “Radsonne” eingraviert.