Dezember 2012 - Poesiealbum aus dem Jahr 1931

Es gibt Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. So ist es auch mit dem Brauch, Sprüche und Botschaften fürs Leben in ein Poesiealbum zu schreiben. Ein solcher Zeitzeuge von Freundschaften und Erinnerungen wird im Dezember als Exponat des Monats vorgestellt.

Dieses Exemplar aus dem Jahr 1931 stammt aus dem Nachlass von Anneliese Mücher, die zum damaligen Zeitpunkt in Danklin wohnte und in Herscheid die Schule besuchte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in diesem Album viele Namen, von damals noch jungen Herscheiderinnen wiederfinden. So schrieb im November 1931 Anneliese Däumer vom Dürhölten zur Erinnerung in das Buch: Gehst Du einst im Morgentau, über eine grüne Au, findest Du ein Vergissmeinnicht, pflück es ab und denk an mich. Die Mitschülerin Elisabeth Bauckhage vom Müggenbruch schrieb am 02.12.1931 zum steten, freundlichen Gedenken: Ich wollt ein Kränzlein winden, da kam die dunkle Nacht. Kein Blümlein konnt ich finden, sonst hätt ich Dir’s gebracht. Dies sind nur zwei Beispiele von den vielen, meist in Sütterlin geschriebenen Sinnsprüchen.

Seit einigen Generationen, sind es überwiegend junge Mädchen, die Poesiealben untereinander austauschen und es dürfte wenig bekannt sein, das dieser Brauch eine Erfindung junger Männer war. Schon im 16. Jahrhundert war es unter Studenten Mode, guten Freunden eine Widmung mit Namen und Wappen in das Stammbuch oder in das sogenannte Album amicorum , das Album der Freunde, zu schreiben . Ab etwa Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelte sich daraus das Poesiealbum, welches zeitweise den Töchtern höheren Standes vorbehalten war, bevor zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Bauern und Arbeitertöchter diese Bücher zur Freundschaftspflege austauschten. Wenn man ein Poesiealbum bekam, um darin eine Widmung oder einen Sinnspruch zu verfassen, galt dies als Freundschaftsbeweis. Die Eltern sahen solche Bücher teilweise als pädagogisch wertvoll an, da der Eintrag säuberlich geschrieben werden sollte, und damit die Schönschrift geübt wurde. Die linke Seite des Buches wurde häufig mit kleinen Zeichnungen, wobei es sich meist um Blumen handelte, kreativ gestaltet. Später wurden Glanzbilder oder Fotos eingeklebt.

Das heutige Poesiealbum, hat sich im Laufe der Zeit nur äußerlich verändert. Es ist farbenfroher gestaltet und anstatt der Glanzbilder findet man vielfach Sticker. Die Widmungen gleichen sich aber selbst nach 77 Jahren noch. So findet man in dem Album aus dem Jahr 1931 den Spruch: “Lebe glücklich, werde alt, bis die Welt zusammen knallt”. In einem Album aus dem Jahr 2008 heisst es: “Lebe glücklich, bleibe froh, wie der Mops im Haferstroh.” Neben dem Poesiealbum, gibt es seit einigen Jahren das Freundebuch, dass bei Jungen und Mädchen gleichermaßen beliebt ist, und so ist man eigentlich wieder zum Ursprung, nämlich dem Album amicorum, zurückgekehrt.

November 2012 - Spekulatiusbrett oder auch Spekulatiusmodel

Dieses Spekulatiusbrett bekam der Herscheider Bäckermeister Gustav Raulf (*1865 +1947)  im Jahr 1889 von seinem Lehrmeister geschenkt. Das aus Buchenholz bestehende Brett war nicht neu und hatte durch das ständige Ausklopfen des Gebäcks schon starke Gebrauchsspuren, so dass man davon ausgehen kann, dass es um einige Jahre älter ist. Da früher beschädigte Gegenstände nicht einfach weggeworfen sondern repariert wurden, zieren dieses Gerät seitlich zwei dicke Schrauben, die es trotz tiefer Risse zusammenhalten und ein weiterarbeiten ermöglichen. Als ungewöhnlich erweisen sich die drei Motive dieses Holzmodels, die christlichen Ursprungs sind. Das erste Bild zeigt eindeutig den Baum der Erkenntnis in dem sich eine Schlange befindet und Adam und Eva. Bei diesem ersten Motiv handelt es sich um den Sündenfall. Welche Bedeutung die beiden nachfolgenden Motive haben, ist im Moment noch unklar. Das mittlere Motiv zeigt eine Person, evtl. einen Narren, der auf einem Bock sitzend über ein Kreuz springt und auf dem unteren Bild sitzt eine Person rücklings auf einem Kamel und hilft einer anderen Person hinauf oder will diese abwehren? Trotz intensiver Suche war es noch nicht möglich, diese beiden Bilder zu deuten. Vermutlich macht sich heute niemand beim Verzehr von Spekulatius Gedanken, welchen Sinn die Motive haben oder woher der Name dieses Gebäcks stammt. Das mit Kardamom, Gewürznelken, Zimt und Muskatnuss verfeinerte Mürbeteiggebäck wurde ursprünglich zu Ehren des Hl. Nikolaus gebacken und die Motive stellten traditionell die Nikolausgeschichte dar. Mönche schnitzten Spekulatiusbretter mit christlichen Motiven. Heute befinden sich auf dem Gebäck meistens Abbildungen von Windmühlen, Schiffen, Bauernhäusern oder Tieren. Für den Namen Spekulatius gibt es zwei mögliche Erklärungen. Zum einen könnte sich der Begriff  von der lat. Bezeichnung episcopus speculator = ein prüfender/nachfragender Bischof  oder von dem ebenfalls lat. Ausdruck speculum = Spiegel, wegen der spiegelbildlichen Darstellung in dem Spekulatiusbrett, ableiten.

In früheren Zeiten wurde dieses weihnachtliche Formgebäck in den Backstuben in Handarbeit gefertigt. Dazu wurde der Teig in die handgeschnitzten Spekulatiusbretter gedrückt und der überstehende Teig mit dem  Spekulatiusabzieher, der ebenfalls auf dem Foto abgebildet ist, von der Form abgestrichen. Danach wurden die Plätzchen aus dem Spekulatiusbrett herausgeklopft, in dem man die Form auf die Tischkante schlug. Die Teiglinge wurden auf Backbleche gelegt und anschließend gebacken. Diese Methode wird heute sicherlich nur noch von wenigen Bäckereien angewandt, da die meisten Spekulatius industriell angefertigt werden.

 

Oktober 2012 - Karbidfahrradlampe

Ein Gartenfreund kennt den typischen, etwas unangenehmen Geruch, wenn er Karbidpräparate zur sanften Vertreibung von Wühlmäusen und Maulwürfen in seinem Garten einsetzt. Weniger bekannt dürfte sein, das bis in die 1950er Jahre Karbid in Verbindung mit Wasser als Brennmittel für Fahrzeuglampen an Fahrrädern, Motorfahrzeugen und bei der Eisenbahn sowie sehr verbreitet zum autogenen Schweißen verwendet wurde.

Aus den verschiedenen im Spieker befindlichen Exponaten zu diesem Thema hat der Geschichts- und Heimatverein eine Karbidfahrradlampe ausgewählt, die vermutlich um 1935 herum dem Fahrradfahrer ein Fahren bei Dunkelheit ermöglichte. Karbid wird aus Kohle und Kalk unter Sauerstoffabschluss gebrannt. In Verbindung mit Wasser entsteht das brennbare Acetylengas. Erfunden wurde diese Technologie 1862 von dem Frankfurter Chemiker Friederich Wöhler. Karbidlampen sind somit Gaslampen mit eingebautem Gasentwickler. An der im Reflektorgehäuse mit Scheinwerferspiegel befindlichen Brennerdüse musste die Licht liefernde Flamme mit Streichholz oder Ähnlichem entzündet werden.

Die im Bild gezeigte Lampe ist mit einer Federaufhängung versehen, die den Lampenkörper von harten Stößen entkoppelt. Die Brennerdüse mündet in den Gasraum, der sich abgedichtet zwischen dem oberen Wasserbehälter und dem unteren Karbidspeicher befindet. Über einen Wasserzuflussregler oberhalb des Wasserbehälters wurde die Wasserzugabe in den Karbidspeicher dosiert und so die Helligkeit der Lampe in Grenzen beeinflusst.

In der hier gezeigten Karbidlampe ist bezeichnenderweise auf der Oberseite der Name “Radsonne” eingraviert.

September 2012 - Wählfernsprecher W 49 mT

Das W 48 ist der Inbegriff der Telefone aus der Nachkriegszeit. Die genaue Erklärung für die Bezeichnung W 48 mT lautet: “Wählfernsprecher, konstruiert 1948 mit Taste” was bedeutet, dass dieses Gerät eine Erdtaste hat, die zum Vermitteln in ganz alten Telefonanlagen benötigt wurde. Dieses Telefon wurde ab 1950 von fast allen westdeutschen Telefonherstellern für die Deutsche Post in grossen Stückzahlen angefertigt und die Deutsche Post vermietete die Telefone gegen eine Grundgebühr an ihre Kunden. Die Standardfarbe, des aus Bakelit bestehenden Gerätes, war schwarz, doch gegen einen Aufpreis konnte man diesen Tischfernsprecher auch elfenbeinfarbig erhalten. Gegen Ende der 1960er Jahre wurden die im Fernmeldezeugamt überholten oder reparierten Exemplare sehr häufig mit der neueren, aber nicht zur Gesamtoptik passenden Wählscheibe aus transparentem Kunststoff ersetzt. Auch das Exemplar das sich im Spieker befindet, ist eindeutig repariert worden, denn auch hier wurde die ursprüngliche, aus Bakelit bestehenden Fingerlochscheibe ausgetauscht. Bis Ende der 80er Jahre wurde dieses Telefon in privaten Haushalten und Amtsstuben benutzt.

Als Mitte der 30iger Jahre mit den Vorgängermodellen des abgebildeten Telefons, dem “W36” und “W38”, Telefone mit Wählscheibe eingeführt wurden, gab es in Herscheid 114 Telefonanschlüsse. Die Grundgebühr betrug 5,50 Reichsmark und das Ortsgespräch kostete 10 Pfennig. Wie übersichtlich die Rufnummern im Jahr 1952 in der Gemeinde waren, sollen an dieser Stelle einige Beispiele zeigen: Restaurant Wilhelmshöh Nr. 185, Elektrofachgeschäft Otto Welschholz Nr. 140, Sattler- und Polstermeister Alfred Mähler Nr. 210, Bahnhofsgaststätte Nr. 183, Gartenbaubetrieb Dahlmeier Nr. 221, Gesenkschmiede Otto Schröder Nr. 137.

August 2012 - Blaubeer Röpper

Ein Ausstellungsstück aus dem Herscheider Heimathaus, welches bei der jüngeren Generation immer wieder Fragen aufwirft, ist der sogenannte Blaubeer- Röpper. Der Begriff entstand durch die in unserer Gegend mundartliche Bezeichnung “röppen” für abzupfen oder ausreissen. In anderen Regionen ist dieses Gerät unter den Namen “Heidelbeerkamm”, “Blaubeerrechen”, Beerenkamm oder auch “Raffel” bekannt. Das Gerät besteht aus einem Holzrahmen, einem Holzgriff und eng aneinanderliegenden Drähten, die im vorderen Bereich leicht nach oben gebogen sind, damit die Blaubeeren nicht wieder herausfallen.

Für unsere Vorfahren war das Sammeln von Blaubeeren nicht nur eine beliebte Ergänzung zur eigenen Ernährung, sondern auch ein willkommener Nebenverdienst. Die Beeren wurden in großen Mengen gesammelt und verkauft. Um das Pflücken größerer Mengen zu vereinfachen, benutze man den Blaubeer-Röpper, was allerdings zur Folge hatte, dass die Pflanzen zum Teil erheblich beschädigt wurden und dadurch die Beerenernte für das folgende Jahr zunichte gemacht wurde. Aus diesem Grund wurde der kleine Erntehelfer im Laufe der Jahre verboten. Heute ist das gewerbliche Beerensammeln durch den § 61 des Landschaftsgesetztes geregelt, in dem es heisst: “Es ist verboten, Beeren, Pilze und wildlebende Pflanzen nicht besonders geschützter Arten in mehr als nur geringer Menge für den eigenen Gebrauch zu sammeln”.

Juli 2012 - Aufschnitt- Schneide-Maschine Westfalia

Die “Westfalia”-Aufschnittschneidemaschinen haben sich überall eingeführt und aufs beste bewährt. Sie schneiden sämtliche Sorten Wurst, rohen und gekochten Schinken, Rauchfleisch, Zunge, Braten, Käse, Gemüse u. dergl. so fein und gleichmäßig, wie es mit dem Handmesser nicht möglich ist. Sie sind zu jeder Zeit für alle Sorten Aufschnitt gebrauchsfertig, ersparen daher Zeit und Arbeit und ermöglichen schnellste Bedienung. Ihre Handhabung ist von keiner Vorübung abhängig. Der Schnitt ist durchaus gleichmäßig und glatt, die Scheibendicke ist beliebig einzustellen. Abfall entsteht bei Benutzung der “Westfalia” überhaupt nicht, jedes Teil kann bis zum letzten Stückchen aufgeschnitten werden. Warum bedienen sich Großbetriebe und Ladengeschäfte schon seit vielen Jahren der Aufschnitt-Schneidemaschine? Nicht allein deshalb weil mit ihr ein schnelleres Arbeiten möglich ist, sondern vor allem wegen der großen Ersparnis, die sich durch den Einkauf eines ganzen Stückes ergibt, das restlos aufgeschnitten werden kann. Weitblickende Hausfrauen haben bald erkannt, daß sich diese Ersparnis auch im Haushalt zeigen muß, wenn Aufschnitt daheim geschnitten wird.

Mit diesem Text wirbt im Jahr 1925 das Alexanderwerk  für die abgebildete Aufschnittschneidemaschine. Diese Maschinen wurden in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Witten/Ruhr, unter dem Namen “Westfalia“, von der Schneidemaschinenfabrik Graff und Stein hergestellt. Im Jahr 1917 wurde  die Firma von dem Alexanderwerk in Remscheid übernommen. Der Standort Witten blieb erhalten und die Maschinen wurden dort weiterhin unter gut eingeführten Namen produziert und vertrieben. Die Herscheider Schneidemaschine ist zwar eine von vielen, aber dennoch ein einmaliges Gerät. Laut Auskunft aus dem Archiv des Alexanderwerkes in Remscheid,  wurden diese Aufschnitt - Schneide - Maschinen  mit hellblauen Rahmen, bzw. Schriften verziert. Es gibt anscheinend keine, die mit einem Blumenmuster, wie es auf dem Bild zu sehen ist, hergestellt wurde. Wer sich die Mühe gemacht hat und diese Maschine so liebevoll bemalte, wird vermutlich ein Rätsel bleiben. Ihre Herkunft dagegen ist geklärt, denn zuerst gehörte sie zur Ausstattung der Küche von Rudolf Kaiser im Parkhotel Schönewald in Herscheid. Danach wurde sie in der Bahnhofsgaststätte in Herscheid benutzt, bevor sie im Jahr 1994 als Anschauungstück dem Herscheider Heimatverein übergeben wurde.

 

Juni 2012 - Puppenschule aus dem Jahr 1945

Die Puppenschule aus dem Jahr 1945, wurde von der Lehrerin Anna Heitbrinck angefertigt. Anna Heitbrinck, die aus Bochum stammte, dort aber  durch einen Bombenangriff ihre Wohnung verlor, fand  bei Verwandten in Herscheid in der Schwarzen Ahe eine neue Heimat und war vom 01.06.1944 bis zum 31.03.1948 als Lehrerin in der Schönebecker Schule tätig. 

Um ihrer Großnichte Liesel Freund (geb. Crone) zum ersten Weihnachtsfest nach dem Krieg eine Freude zu machen und als Einstimmung auf deren Schulanfang, der im Frühjahr 1946 folgte, trug Anna Heitbrinck über einen längeren Zeitraum die benötigten Materialien zusammen und fertigte diese Puppenschule an. Mit viel handwerklichem Geschick und Liebe zum Detail entstand ein Klassenzimmer, welches heute den Schulalltag vor 67 Jahren widerspiegelt. Die selbstgefertigten Puppen tragen die, für die damalige Zeit typische Kinderkleidung. Die Mädchen sind mit Rock, Bluse und Schürze, die Jungen mit Hemd und kurzer Hose bekleidet. Die winzigen Schulranzen enthalten neben der Schiefertafel mit Tafellappen auch selbstgebastelte Bücher und Hefte. In diesem, als Spielzeug gedachten Klassenzimmer, sieht der Betrachter außerdem die klassischen Schulbänke, Tafeln, und eine Landkarte. Auch an die Dekoration der Wände wurde gedacht und so kann man dort eine Wandtafel und kleine Bilder erkennen.

Nachdem Kinder aus zwei Generationen mit dieser besonderen Puppenstube gespielt haben, übergab Liesel Freund dieses Ausstellungsstück vor einigen Jahren dem Geschichts- und Heimatverein, welches sich im Spieker befindet und ist so der Allgemeinheit zugänglich ist.

 

Mai 2012 Dröppelminna, auch Kranenkanne genannt.

Die Kranenkanne gilt als Vorläufer der Kaffeekanne und wurde etwa seit dem Jahr 1700, vor allem in Nord und Nordwestdeutschland verbreitet. Die genaue Herkunft dieser Kanne ist nicht geklärt, aber man vermutet, dass sie über Holland, nach Norddeutschland und ins Bergische Land kam. Im letzteren ist sie heute noch ein unverzichtbarerer Bestandteil der bergischen Kaffeetafel. Obwohl es auch Kranenkannen aus Porzellan gab, wurde die meisten aus Metall hergestellt. Neben Messing, Silber und Blech wurde hauptsächlich Zinn verwendet, da es geschmacksneutral ist und den Kaffee lange warm hält. Da Kaffeefilter noch unbekannt waren, wurde das Kaffeepulver lose in die Kanne gegeben. Dies hatte zur Folge, dass sich der Kaffeesatz am Boden sammelte und den Kran nach dem ersten Aufdrehen verstopfte. Der Kaffee floss nicht mehr, sondern er tropfte nur noch (dröppelte). Dies und ihre rundliche Form, die angeblich an eine Hausmamsel die häufig den Vornamen Wilhelmina (Koseform Mina) trug, gaben der Kranenkanne den Beinamen Dröppelmina. Im Saterland, einer Region im Nordwesten des Oldenburger Münsterlandes, wurde die Kranenkanne auch Dreckpott genannt. Nach 1825 wurden die Kranenkannen, oder auch Dröppelminas, allmählich durch andere Kannen mit Ausgusstülle verdrängt.

April 2012 - Stereoskop mit Bildern vom Zeppelin LZ 126

Bei der Stereoskopie handelt es sich um die Wiedergabe von zweidimensionalen Bildern mit einem räumlichen Eindruck von Tiefe. Fälschlicherweise wird diese Ansicht von Abbildungen als 3D bezeichnet.  1838 veröffentlichte der britische Physiker Sir Charles Wheatstone erste Forschungsergebnisse über räumliches Sehen, zeichnete Stereobilder und konstruierte ein Stereoskop. Die Stereoskopie wurde in den folgenden Jahren immer weiter entwickelt. Im Jahr 1860 wurde  diese Art Bilder zu betrachten, zu einem regelrechten Massenmedium denn alleine in Europa wurden über eine Millionen Bildbetrachtungsgeräte, die es in unzähligen Varianten gab, verkauft. Obwohl Stereoskope für den Privathaushalt populär waren, konnten sie sich nie dauerhaft durchsetzen und wurden immer mehr von dem Medium Film verdrängt.

1923 fotografierte Major a.D. Wilcke den Bau des Luftschiffs Zeppelin LZ 126. Die daraus entstandenen 12 Stereobilder und ein Stereoskop-Betrachter, wurden als Set von der graphischen Abteilung Luftschiffbau ZEPPELIN GmbH, Friedrichshafen am Bodensee, hergestellt und verlegt. Das auf dem Foto abgebildete Stereoskop Set wurde 1924, nach der Fertigstellung des LZ 126, auf 24 Fotos erweitert und zusammen mit einem sehr schönen Stereobetrachter aus Aluminiumguss der die Initialen LZ 126 enthält, angeboten. Dem Geschichts- und Heimatverein Herscheid wurde dieses Set im Jahr 2011 von der Familie Freund aus Stottmert überlassen. 

 

 

März 2012 - Barttasse

Barttassen wurden zwischen 1820 und 1830 von dem englischen Töpfer und Besitzer einer Porzellanfabrik Harvey Adams, erfunden. Diese Tassen waren im Zeitraum von 1860 bis 1920 im englischen, französischen, nordamerikanischen und im deutschen Kulturraum verbreitet.

In der Tasse befindet sich innen, unterhalb der Stelle wo beim Trinken der Mund angesetzt wird, ein horizontaler Steg der den Bart und das Wachs, das im 19. Jahrhundert zur Schnurrbartmodellierung verwendet wurde, vor der Befeuchtung durch das Getränk oder das Aufweichen durch heissen Dampf schützen sollte.

Die auf dem Foto gezeigte Barttasse stammte von Theodor Kaufmann aus Herscheid-Germelin (1853-1935) und wurde 1996 dem Geschichts-und Heimatverein Herscheid zur Verfügung gestellt. Auf der Tasse befindet sich folgender Spruch: “ Zu schonen Deinen schönen Bart, nimm diese Tasse eigner Art”